Anti-Gentrifizierungs-Demo während Intersquat

Wie wir gerade erfahren haben, wird es eine Anti-Gentrifizierung-Demo am 16.9. um 20 Uhr geben. Startpunkt ist das Rote Rathaus (Bahnhof Alexanderplatz). Wir dokumentieren hier den Aufruf dazu (click *mehr* for the English version):

Raus aus´m Kiez- rein in die City
Gentrification- das ist kein tolles neues Modewort, dass durch die so genannte „linke Szene“ und einige Lifestyle-Magazine geistert, sondern bedeutet Vertreibung, Schikane, permanente Überwachung durch Kameras und uniformierte und private Bullen.

Für die meisten Menschen in dieser Stadt sind mittlerweile die Auswirkungen der Gentrifizierung direkt oder indirekt spürbar. Sei es durch den eigenen erzwungenen Umzug aufgrund der gestiegenen Miete oder den baldigen, durch den Wegfall der Anschlussförderung für Sozialwohnungen oder durch eine Aufforderung vom Jobcenter. Vielleicht auch dadurch, dass ein Großteil der Nachbarschaft mittlerweile weg ist oder es kaum noch eine Ecke in der Innenstadt gibt, die nicht videoüberwacht ist. Um es klar zu machen, niemand wird etwas gegen die Verschönerung von (Spiel-)Plätzen haben und die meisten freuen sich auch über die Sanierung von Häusern ( z.B. Wärmedämmung) und Wohnungen – das geschieht jedoch nicht zum Wohl der Menschen sondern zur Wertsteigerung. Dass dies jedoch einher geht mit steigenden Mieten und stetiger Überwachung, das ist, was uns anpisst.
Natürlich sind die Wege, sich dagegen zu wehren, vielfältig. Von Klagen vor Sozialgerichten über Mieter_innenversammlungen bis hin zu temporären Wohnungsbesetzungen stehen viele Möglichkeiten offen. Doch wir glauben es ist auch immer wieder notwendig, gemeinsam auf die Strasse zu gehen und zusammen unseren Missmut zu äußern. Wir haben eine Route durch die von uns gehasste, glasfrontverspiegelte, penibel gereinigte und nach Konsum stinkende Innenstadt gewählt. Da ein Großteil der Profiteur_innen in Mitte wohnt, wüssten wir keinen Grund, genau diesen gegenüber unseren Unmut nicht zu äußern und wollen deswegen mit euch gemeinsam am 16.9.2010 durch Mitte ziehen. Wir wissen, dass es zwar Profiteur_innen gibt, die Verantwortung jedoch im System begründet liegt. Solange es einen Wohnungsmarkt gibt, der kapitalistisch orientiert ist, solange wird es ein Interesse geben, dass die jeweilige Wohnung/ das jeweilige Haus steigende Rendite abwirft. Aus diesem Grunde sind Projekte wie der mittlerweile geräumte Umsonstladen oder das bedrohte Hausprojekt Liebig14 und viele andere Projekte wichtig. Stehen sie doch für eine Utopie jenseits des Kapitalismus.
Eine Räumung der Liebig14 werden wir nicht akzeptieren!
Mitte in die Suppe pissen!
Start: 16.09.2010 vor dem Roten Rathaus
Uhrzeit: 20:00 Uhr

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We have just heard that an Anti-Gentrification-Demo will take place in front of the Rotes Rathaus (Station Alexanderplatz) at the 16th of September at 8pm. We will publish the call for the demonstration:

Out of your kiez – into the city
Gentrification is not a new fashionable word used in the leftwing scene and some lifestyle magazines – it means expulsion, harassment, permanent surveillance by cameras and private cops in uniforms. Most people living in this city have already experienced primary or secondary consequences of gentrification, such as being forced to move their flats because of an increasing rent, the JobCenter or because of the loss of social housing programs. Or because most of your neighbourhood as well as the city center is already under video surveillance. To be clear, nobody wants to stop the improvement of playgrounds and most people would be happy to get their houses and flats renovated, but all of this is not happening for general good but to increase property value. What pisses us off is that this process is connected to increasing rents and rising surveillance. Of course there are multiple ways to resist like complaints at social courts, renter assembleys and temporary squatting of flats. But we think that it’s also necessary to go out on the street together and collectively show our anger. We have picked a route through the hated, glass-fronted, scrubbed and consumption obsessed city center. Since most profiteers are living in Mitte we don‘t see any reason not to show them our anger in front of their doors on the 16th of september 2010. Although there are profiteers, we know that the responsibility for all of this results from this system. As long as there’s a capitalist real estate market there’s also the interest that property “produces” more money. For these reasons it’s important to have (housing-) projects like Liebig 14, which is in danger of eviction or the freeshop in Mitte which has just been evicted.
Fight for utopia beyond capitalism.
We will never accept the eviction of Liebig 14!
Berlin Mitte – Fuck off!
16th of September 2010, 8pm, Rotes Rathaus (S+U-Bahn Alexanderplatz)